Stress beginnt im Kopf – aber er bleibt nicht dort.

Wenn wir unter Druck stehen, reagiert unser Körper unmittelbar. Herzschlag und Atmung verändern sich, die Muskulatur spannt sich an und die Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf mögliche Gefahren. Diese Reaktion ist zunächst sinnvoll: Der Körper stellt sich darauf ein, schnell handeln zu können.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn aus einer kurzfristigen Stressreaktion ein dauerhafter Zustand wird. Denn unser Körper unterscheidet nicht grundsätzlich zwischen beruflichem Druck, emotionaler Belastung oder einer tatsächlichen körperlichen Gefahr. Das Stresssystem kann auch dann aktiviert bleiben, wenn eigentlich keine unmittelbare körperliche Reaktion notwendig wäre.

Was passiert bei Stress im Körper?

Eine zentrale Rolle spielt dabei das autonome Nervensystem. Es steuert zahlreiche Körperfunktionen, die wir nicht bewusst kontrollieren – darunter Herzschlag, Atmung, Verdauung und die Regulation der Muskulatur.

Bei akuter Belastung wird vor allem der sogenannte Sympathikus (im Nervensystem das Stress- und Gaspedal) aktiviert. Er versetzt den Körper in eine Art Bereitschaftszustand. Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet. Herzfrequenz und Blutdruck können steigen, die Atmung wird schneller und die Muskulatur wird stärker durchblutet und aktiviert.

Für eine kurze Zeit ist das vollkommen normal. Der Körper ist darauf vorbereitet, Leistung zu bringen.

Nach der Belastung sollte das System wieder herunterfahren. Der Körper wechselt zunehmend in einen Zustand der Erholung, in dem Regeneration, Verdauung und Schlaf wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Wenn der Stress nicht nachlässt

Anders sieht es aus, wenn Stress über längere Zeit anhält. Dann bekommt der Körper weniger Gelegenheit, vollständig in den Erholungsmodus zurückzukehren.

Die dauerhafte Belastung kann sich unter anderem bemerkbar machen durch:

  • erhöhte Muskelspannung
  • flachere oder schnellere Atmung
  • innere Unruhe
  • Konzentrationsprobleme
  • Einschlaf- oder Durchschlafprobleme
  • Verdauungsbeschwerden
  • Erschöpfung
  • Kopfschmerzen oder andere Schmerzbeschwerden

Dabei muss nicht jede Person dieselben Symptome entwickeln. Stress wirkt individuell und kann verschiedene Körpersysteme unterschiedlich beeinflussen.

Warum Stress Schmerzen begünstigen kann

Besonders interessant ist die Verbindung zwischen Stress und Schmerzverarbeitung.

Schmerz entsteht nicht einfach dort, wo etwas im Körper „kaputt“ ist. Vereinfacht gesagt entsteht das Schmerzempfinden durch die Verarbeitung verschiedener Signale im Nervensystem. Dabei spielen neben den körperlichen Reizen auch Schlaf, Aufmerksamkeit, Emotionen und die aktuelle Belastungssituation eine Rolle.

Bei anhaltendem Stress kann sich diese Verarbeitung verändern.

Stress und Schmerzen können sich gegenseitig verstärken

Besonders problematisch kann ein Kreislauf entstehen:
Wer beispielsweise aufgrund von Rückenschmerzen weniger Bewegung in den Alltag integriert, kann zusätzlich körperliche Belastbarkeit verlieren. Gleichzeitig kann die Sorge vor einer erneuten Schmerzepisode dazu führen, dass Bewegungen vermieden werden.
Dadurch wird der Körper nicht unbedingt belastbarer – und der Kreislauf kann sich weiter verstärken.

Kreislauf von Stress und Schmerzen

Deshalb ist „Stress ist nur Kopfsache“ zu kurz gedacht

Stress ist weder ausschließlich psychisch noch ausschließlich körperlich. Beides ist eng miteinander verbunden.
Gedanken und Gefühle können körperliche Prozesse beeinflussen. Gleichzeitig können körperliche Beschwerden wiederum die Psyche belasten. Das Nervensystem verbindet beide Bereiche miteinander.

Deshalb ist es sinnvoll, bei stressbedingten Beschwerden nicht nur auf die psychische Belastung zu schauen, sondern auch auf die körperlichen Faktoren:

Wie hoch ist meine Muskelspannung?
Wie atme ich?
Wie schlafe ich?
Wie viel bewege ich mich?
Wie gut kann mein Körper nach Belastung wieder entspannen?

Was kann helfen?

Der erste Schritt ist, die eigenen Stresssignale überhaupt wahrzunehmen. Darauf aufbauend können verschiedene Maßnahmen dabei helfen, das Gleichgewicht zwischen Belastung und Erholung wiederherzustellen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • regelmäßige Bewegung
  • gezieltes Kraft- und Ausdauertraining
  • bewusste Entspannungsphasen
  • eine möglichst regelmäßige Schlafroutine
  • Atemübungen
  • der Umgang mit individuellen Stressauslösern
  • ausreichend Zeit für Regeneration

Dabei geht es nicht darum, Stress vollständig aus dem Leben zu verbannen. Das ist weder realistisch noch notwendig. Entscheidend ist vielmehr, dass Belastung und Erholung wieder in ein gutes Verhältnis kommen und der Körper mit den Anforderungen besser umgehen kann.

Stress ernst nehmen – auch wenn er körperlich wird

Stress kann sich körperlich bemerkbar machen und unter bestimmten Bedingungen Schmerzen begünstigen oder bestehende Beschwerden verstärken. Gleichzeitig sind Schmerzen immer individuell und können viele verschiedene Ursachen haben.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Was belastet mich gerade – und was macht diese Belastung mit meinem Körper?

Wer die Zusammenhänge zwischen Stress, Nervensystem, Muskelspannung, Schlaf und Schmerz versteht, kann gezielter gegensteuern und die eigene körperliche und mentale Belastbarkeit stärken.
Wichtig: Anhaltende, starke oder neu auftretende Schmerzen sollten medizinisch abgeklärt werden. Stress kann Beschwerden beeinflussen, ist aber nicht automatisch deren alleinige Ursache.

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